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Name des Begriffes: Patchwork-Familien
Beschreibungen des Begriffes:

Patchwork-Familien

Nach Schätzungen sind etwa zehn Prozent der Familien in Deutschland Stief- bzw. Patchwork-Familien. "Echte" Patchwork-Familien, in denen Kinder mit Stief- und/oder Halbgeschwistern in einem Haushalt oder auch in getrennten Haushalten aufwachsen, sind statistisch nicht erfasst, da Daten nicht haushaltsübergreifend und im Lebensverlauf erhoben werden. Auch das Recht kennt nur den Begriff "Stieffamilie", Patchwork-Familien sind als rechtliche Kategorie inexistent.


Eine Herausforderung für die Erwachsenen in Patchwork-Konstellationen besteht in der Gestaltung der Trennung der „alten“ Paarbeziehung bei weiterhin bestehender gemeinsamer Verantwortung als Eltern. Auch die „neue“ Familie muss sich erst zusammenfinden. Kennzeichnend für Patchwork-Familien ist zudem die mehrfache Elternschaft, da zusätzlich zu den leiblichen Eltern noch ein weiterer Erwachsener Verantwortung für das Kind übernimmt. Bislang können in Deutschland nur zwei Personen rechtliche Eltern eines Kindes sein, mit allen Konsequenzen hinsichtlich des Sorge-, Unterhalts- oder Umgangsrechts. Falls beide leiblichen Eltern das Sorgerecht haben, kann der Stiefelternteil lediglich über Vollmachten alltägliche Dinge für das Kind regeln. Bei "Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung", z.B. Entscheidungen über Aufenthaltsort, Kita, Schule oder Krankenhausaufenthalt, müssen sich ausschließlich die beiden sorgeberechtigten Elternteile einig werden. Zwischen Stiefeltern und -kindern bestehen weder Unterhalts- noch Erbschaftsansprüche, auch nicht nach einer Heirat des leiblichen Elternteils mit dem/der neuen Partner/-in. Schließlich stehen Patchwork-Familien durch die Multilokalität und die damit erforderliche Mobilität oftmals vor besonderen Anforderungen.


Wichtig für Patchwork-Familien sind frühzeitige Beratungs- und Unterstützungsangebote, ein rechtlicher Rahmen, der der faktischen Mehreltern-Konstellation gerecht wird, eine kommunale Familienzeitpolitik zur Abstimmung der vielfältigen „Taktgeber “sowie Zeitsouveränität in der Erwerbsarbeit.

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