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Name des Begriffes: Familienförderung
Beschreibungen des Begriffes:

Familienförderung

Familien benötigen einen Mix aus Zeit, Geld und Infrastruktur, um ihre wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen zu können. Entsprechend wird bei den staatlichen Leistungen für Familien zwischen direkten finanziellen Transfers und infrastrukturellen Maßnahmen unterschieden.

Von 156 Einzelleistungen, die mit einer Fördersumme von ca. 200 Mrd. Euro dargestellt werden, kann nur gut ein Viertel als wirkliche Familienförderung betrachtet werden. Aktuell gibt der deutsche Staat ca. 55,4 Mrd. Euro Mrd. für Familienförderung im engeren Sinne aus. Darunter fallen Leistungen wie das Kindergeld, der Kinderzuschlag, der Geringverdienenden als Zuschlag zum Kindergeld gewährt wird, das Elterngeld oder auch die Anerkennung von Erziehungszeiten in der Rentenversicherung.

Der Familienleistungsausgleich in Höhe von gut 53 Mrd. Euro kann nicht zur eigentlichen Familienförderung gerechnet werden, da er lediglich den entstehenden Mehraufwand durch Kinder ausgleichen soll. Kernstück des Familienleistungsausgleichs sind die Kinderfreibeträge bzw. das Kindergeld, sofern es der Freistellung des kindlichen Existenzminimums dient, und die Mitversicherung von Kindern in der Sozialversicherung.

Zu den infrastrukturellen Leistungen zählen vor allem die Bereitstellung von Einrichtungen zur Kinderbetreuung und Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe wie Hilfen zur Erziehung oder Familienbildung. Die öffentliche Hand gibt dafür rund 21 Mrd. Euro aus.

Die ehebezogenen Leistungen wie z.B. die Hinterbliebenenversorgung und das Ehegattensplitting werden mit ca. 75 Mrd. Euro beziffert.

Aus Sicht des Zukunftsforum Familie darf es kein Ausspielen von Geld- versus Infrastrukturleistungen geben, denn Familien und Kinder benötigen beides. Wir treten daher für eine Kindergrundsicherung sowie den qualitativen und quantitativen Betreuungsausbau ein.

Im Herbst 2014 wurde der Endbericht der Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen veröffentlicht. Das Zukunftsforum Familie begrüßt diese umfassende Wirkungsanalyse und die daraus hervorgehenden wichtigen Impulse und Erkenntnisse für die Familienpolitik. Zum ersten Mal werden Interaktionen zwischen wichtigen familienpolitischen Leistungen beleuchtet und kurzfristige und langfristige Verhaltenseffekte im Lebensverlauf nachvollzogen.

Aus Sicht des Zukunftsforum Familie wird aber ökonomischen Zielsetzungen in der Gesamtevaluation eine zu große Bedeutung beigemessen. Zudem werden informelle Wirkungszusammenhänge und Rahmenbedingungen im familiären Lebensverlauf vernachlässigt. Deren Einbeziehung ist aus Sicht des Zukunftsforum Familie für eine abschließende Bewertung und familienpolitische Reformen der ehe- und familienpolitischen Leistungen dringend notwendig. Dazu bedarf es weiterer Forschung – wie der Endbericht selbst anregt – in Hinblick auf partnerschaftliche Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse und die Wirkung verschiedener Arbeitszeitmodelle auf die innerfamiliäre Situation.

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