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Pressemitteilung Thema: Pflege

Tag der pflegenden Eltern am 24. Oktober 2026

Pflegende Eltern und ihre Organisationen fordern weniger Bürokratie und verlässliche Unterstützung

Berlin, 21.10.2026 – Am 24. Oktober findet zum zweiten Mal der Tag der pflegenden Eltern statt. Unter dem Motto „Tag für Tag und viele Jahre – pflegen, kämpfen, Formulare“ macht ein Aktionsbündnis aus pflegenden Eltern und Unterstützer*innen bundesweit auf eine Lebensrealität aufmerksam, die in der Öffentlichkeit häufig unsichtbar bleibt: Pflegende Eltern müssen neben der täglichen Pflege, Betreuung und Begleitung ihrer Töchter und Söhne einen erheblichen bürokratischen Aufwand bewältigen. Zum diesjährigen Aktionstag fordert das Aktionsbündnis deshalb konkrete Schritte zum Bürokratieabbau. Ein Positionspapier benennt fünf konkrete Veränderungen, die pflegenden Familien den Zugang zu Unterstützung erleichtern und ihnen Zeit und Kraft zurückgeben sollen.

Britta Altenkamp, Vorsitzende des Zukunftsforum Familie e. V. (ZFF), erklärt: „Pflege in Familien ist keine private Nebensache, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, für die wir gemeinsam Verantwortung tragen müssen. Trotzdem werden pflegende Eltern mit ihren Belastungen häufig allein gelassen. Wenn sie neben der täglichen Pflege auch noch gegen bürokratische Hürden kämpfen müssen, wird die Unterstützung selbst zur Belastung. Wir brauchen einen grundlegenden Wandel: Statt eines Zuständigkeitswirrwarr, brauchen wir Beratung unter einem Dach und Leistungen aus einer Hand, die einfach, unbürokratisch und verlässlich zugänglich sind. Denn die Zeit und Kraft pflegender Eltern muss ihren Kindern zugutekommen – nicht im Kampf mit der Bürokratie aufgerieben werden. Dafür machen wir im gemeinsamen Positionspapier Vorschläge.“

Bürokratie als zusätzliche Belastung neben dem Pflegealltag

Pflegende Eltern übernehmen in der Regel über viele Jahre hinaus Verantwortung für ihre Töchter und Söhne mit Pflege- und Unterstützungsbedarf – auch weit über deren Volljährigkeit hinaus. Neben der Pflege organisieren sie Therapien, koordinieren Hilfen, stellen Anträge, beschaffen Nachweise, klären Zuständigkeiten und legen Widersprüche ein, wenn Leistungen abgelehnt oder verzögert werden. Diese zusätzliche Arbeit kostet Zeit und Kraft, die für die Familie, die Pflege, die eigene Erwerbstätigkeit und die eigene Regeneration fehlen.

„Allein in diesem Jahr beantrage ich bereits zum dritten Mal Grundsicherung für meine erwachsene Tochter mit Behinderung: Einmal zur regulären Weiterbewilligung, dann wegen ihres Umzugs zurück ins Elternhaus und jetzt erneut, weil für ihre neue Wohngemeinschaft wieder ein anderes Sozialamt zuständig ist. Jedes Mal müssen Anträge ausgefüllt und zahlreiche Unterlagen eingereicht werden. Dieser bürokratische Aufwand kostet uns pflegende Angehörige enorm viel Zeit und Kraft. Das sind Ressourcen, die wir dringend für die Unterstützung unserer Kinder und für unseren eigenen Alltag brauchen.“ Angelika Ayad, die ihre erwachsene Tochter betreut.

Fünf Forderungen für spürbare Entlastung

Zum Tag der pflegenden Eltern 2026 fordern pflegende Eltern und ihre Organisationen fünf konkrete Veränderungen:

  1. Eine Anlaufstelle statt vieler Zuständigkeiten

Familien brauchen eine zentrale Ansprechstelle, die Leistungen und Zuständigkeiten mit den beteiligten Behörden klärt, Verfahren koordiniert und Übergänge – etwa beim Eintritt ins Erwachsenenalter – rechtzeitig vorbereitet.

  1. Dauerhafte Bedarfe anerkennen

Wenn der Unterstützungsbedarf dauerhaft besteht, dürfen Familien nicht immer wieder dieselben Sachverhalte nachweisen müssen. Leistungen sollen langfristig oder unbefristet bewilligt und bereits vorliegende Informationen zwischen den zuständigen Stellen datenschutzkonform genutzt werden.

  1. Verbindliche Fristen statt monatelangem Warten

Familien müssen nachvollziehen können, wie weit ihr Antrag bearbeitet ist und wann sie mit einer Entscheidung rechnen können. Behörden brauchen verbindliche Entscheidungsfristen und klare Konsequenzen, wenn diese ohne zulässigen Grund überschritten werden. Bei existenziell notwendigen Unterstützungs- und Teilhabeleistungen soll künftig gelten: Wird nicht fristgerecht entschieden, gilt der Antrag als bewilligt, sofern kein gesetzlich zulässiger Grund für die Verzögerung vorliegt.

  1. Gute Beratung statt mühsamer Informationssuche

Gefordert wird eine flächendeckende, unabhängige Beratung, die die gesamte Lebenssituation der Familie berücksichtigt, unterschiedliche Unterstützungsansprüche zusammenführt und rechtzeitig über Möglichkeiten und anstehende Übergänge informiert. Auch die Erfahrungen anderer pflegender Eltern sollen einbezogen werden.

  1. Verfügbare Hilfen statt Leistungen auf dem Papier

Eine bewilligte Leistung hilft nicht, wenn vor Ort kein passendes Angebot verfügbar ist. Kommunen und zuständige Stellen müssen Versorgungslücken erkennen und den Ausbau geeigneter Pflege-, Betreuungs- und Entlastungsangebote vorantreiben. Wenn eine bewilligte Leistung vor Ort nicht verfügbar ist, muss die Finanzierung selbst beschaffter geeigneter Hilfen niedrigschwellig ermöglicht werden.

Entlastung sichern, statt neue Hürden aufzubauen

Der Abbau bürokratischer Hürden ist besonders dringlich, wenn Familien auf Entlastung angewiesen sind. Leistungen wie die Verhinderungspflege ermöglichen pflegenden Eltern dringend benötigte Auszeiten. Sie müssen erhalten bleiben und ohne zusätzliche bürokratische Hürden zugänglich sein.

Bundesweite Aktionen machen unsichtbare Arbeit sichtbar

Am 24. Oktober setzen pflegende Eltern und Unterstützer*innen bundesweit ein Zeichen. Zwei übereinander geklebte Kinderpflaster stehen symbolisch für die besonderen Herausforderungen pflegender Eltern und ihre Solidarität untereinander. In den sozialen Medien machen Familien unter dem Motto „Tag für Tag und viele Jahre – pflegen, kämpfen, Formulare“ auf den Bürokratie-Irrsinn in ihrem Lebem aufmerksam.

Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen sind eingeladen, sich am Aktionstag zu beteiligen und die Forderungen zu unterstützen.

Über den Tag der pflegenden Eltern

Der Tag der pflegenden Eltern ist eine gemeinsame Initiative pflegender Eltern und ihrer Unterstützer*innen. Initiiert wurde er vom Arbeitskreis pflegender Eltern beim Bundesverband „wir pflegen e.V.“, der Interessenvertretung pflegender Angehöriger. Ziel ist es, die Lebensrealität pflegender Eltern sichtbar zu machen und Verbesserungen für pflegende Familien anzustoßen.

Link zum Positionspapier

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Pressemitteilung Thema: Zeitpolitik

Wer Familien stärken will, darf beim Elterngeld nicht sparen!

Neues ZFF-Positionspapier zeigt Wege zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Gleichstellung.

Berlin, 06.07.2026 – Während der Deutsche Bundestag in seine letzte Sitzungswoche vor der parlamentarischen Sommerpause startet und die Debatten um den Bundeshaushalt in vollem Gange sind, veröffentlicht das Zukunftsforum Familie e. V. (ZFF) sein neues Positionspapier zur Reform des Elterngeldes. Die Botschaft ist klar: Wer soziale Gerechtigkeit herstellen, Gleichstellung voranbringen und Kindern gute Startbedingungen ermöglichen will, darf das Elterngeld nicht kürzen – sondern muss es zukunftsfest weiterentwickeln.

Sophie Schwab, Geschäftsführerin des ZFF, erklärt: „Die Sommerpause bietet Raum für neue Perspektiven. Wir wünschen uns, dass die Abgeordneten der demokratischen Fraktionen unser frisches Positionspapier als Impulslektüre mitnehmen. Statt immer neue Kürzungsszenarien zu diskutieren, sollten wir darüber sprechen, wie das Elterngeld den Herausforderungen unserer Zeit begegnen kann – sozial gerechter, geschlechtergerechter und einfacher zugänglich.“

In seinem Positionspapier schlägt das ZFF deshalb konkrete Reformen vor. Dazu gehört unter anderem eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro – das entspricht dem Regelbedarf im SGB II für Volljährige in Partnerschaften – und eine anschließende Dynamisierung. Außerdem fordert das ZFF mehr Unterstützung für Familien mit geringem Einkommen, die Ausweitung der pro Elternteil reservierten Monate, eine stärkere Förderung paritätischer Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit sowie den Abbau bestehender Ausschlüsse beim Elterngeld.

Langfristig wirbt das ZFF für das ElternGerechtigkeitsGeld in Höhe von 1.800 Euro, das allen anspruchsberechtigten Eltern unabhängig vom vorherigen Einkommen in gleicher Höhe ausgezahlt wird. Damit würde Sorgearbeit unabhängig von Erwerbseinkommen gesellschaftlich anerkannt und soziale Ungleichheiten nicht länger reproduziert – Mütter erhalten das gleiche wie Väter, die Pflegekraft das gleiche wie die Ärztin. Alle können sich Gleichstellung auch tatsächlich leisten.

Sophie Schwab ergänzt: „Familienpolitik braucht wieder mehr Zukunftsdebatten, mehr Mut für gesellschaftliche Visionen und weniger reflexhafte Sparpolitik. Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der Sorgearbeit den gleichen Respekt und Stellenwert erhält wie Erwerbsarbeit. Wer Fürsorge leistet, darf dafür nicht mit finanziellen Nachteilen, geringeren Karrierechancen oder wirtschaftlicher Abhängigkeit bezahlen müssen. Eine moderne Familienpolitik erkennt Sorgearbeit als unverzichtbare Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts an, verteilt sie zwischen den Geschlechtern um und bietet allen Familien die finanziellen Spielräume, paritätische Sorgearrangements zu realisieren – daran richtet sie ihre Leistungen konsequent aus.“

Das Positionspapier „Das Elterngeld – Schlüssel für ein gleichberechtigtes Familienleben“ finden Sie hier.